Der Unterschied zwischen Gleichgültigkeit und Gleichmut

Wie du stabil bleibst, ohne kalt zu werden – und warum innere Ruhe nicht bedeutet, nichts mehr zu fühlen.

Anna weist mit der rechten Hand leicht nach oben.

Viele Menschen haben Angst vor dem, was ich in den letzten beiden Tagen beschrieben habe.

Sie denken: “Wenn ich aufhöre, nach Liebe zu hungern – werde ich dann nicht kalt? Gleichgültig? Gefühllos?”

Die Antwort ist: Nein. Genau das Gegenteil.

Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Gleichgültigkeit und Gleichmut – und dieser Unterschied entscheidet darüber, ob du frei wirst oder nur erstarrst.

Gleichgültigkeit ist Kälte.

“Ist mir doch egal.” “Juckt mich nicht.” “Soll er doch gehen.”
Das ist keine innere Stärke. Das ist emotionale Taubheit. Oft eine Schutzmauer, die wir errichten, weil wir zu oft verletzt wurden. Gleichgültigkeit schneidet ab. Sie distanziert. Sie macht uns zu Robotern.

Gleichmut ist Stabilität.

“Ich bin offen für alles, aber es wirft mich nicht um.”
Gleichmut bedeutet: Du fühlst alles – aber du identifizierst dich nicht damit. Du liebst, aber du klammerst nicht. Du trauert, aber du brichst nicht zusammen. Du freust dich, aber du bist nicht abhängig davon, dass diese Freude bleibt.

Ein Beispiel:

Stell dir vor, jemand kritisiert dich scharf.
Gleichgültigkeit sagt: “Egal. Interessiert mich nicht.” (Aber innerlich bist du verletzt, du verdrängst es nur.)
Gleichmut sagt: “Ich höre dich. Das tut weh. Aber es definiert mich nicht.” (Du fühlst den Schmerz, aber er überwältigt dich nicht.)

Der Unterschied ist subtil, aber entscheidend:

Gleichgültigkeit verschließt das Herz.

Gleichmut öffnet das Herz – und schützt es gleichzeitig.

Im Buddhismus wird Gleichmut oft mit einem Baum im Sturm verglichen. Der Sturm tobt, die Äste biegen sich – aber der Baum bricht nicht, weil seine Wurzeln tief sind. Gleichmut macht dich nicht unberührbar. Er macht dich unerschütterlich.

Wie kommst du dahin?

Es beginnt mit einer einfachen Übung: Beobachten statt Reagieren.

Wenn das nächste Mal ein starkes Gefühl hochkommt – Wut, Trauer, Sehnsucht –, halt kurz inne. Sag innerlich: “Da ist Wut. Da ist Trauer. Da ist Sehnsucht.”

Nicht: “Ich bin wütend. Ich bin traurig. Ich bin sehnsüchtig.”

Das klingt nach Haarspalterei – aber es verändert alles.

Denn in dem Moment, wo du sagst “Da ist…”, schaffst du Raum zwischen dir und dem Gefühl. Du bist nicht das Gefühl. Du bist derjenige, der es wahrnimmt.

Und in diesem Raum entsteht Freiheit.

  • Du kannst dann lieben, ohne zu klammern.
  • Du kannst geben, ohne auszubrennen.
  • Du kannst fühlen, ohne zu ertrinken.

Das ist Gleichmut. Nicht Kälte. Sondern Präsenz mit Wurzeln.
Frage an dich: Wann hast du das letzte Mal etwas tief gefühlt, ohne davon überwältigt zu werden? Wie hat sich das angefühlt? 💬🌿

Kategorien: Selbst und Seele